Biografie



... „die in Worte und Musik gefasste Hoffnung und Bereitschaft, dass Menschen sich ihr facettenreiches Mensch-Sein zugestehen und vergeben können. ROT ist für mich nicht nur die Sehnsucht nach Großzügigkeit mit sich und der Welt, Fehler machen zu dürfen, sondern vor allem das Versprechen, ein ganzes Leben lang zu lernen, wie man lebt.“

R O T

„Die aktive Suche nach dem Glück“ hat INA REGEN zu ihrem Debütalbum „Klee“ inspiriert. Noch vor dessen Veröffentlichung, und dem damit einhergehenden Erfolg (#1-Chart-Platzierung, Gold-Auszeichnung, Amadeus Austrian Music Award zum ‚Album des Jahres‘ & ausverkaufte Tour in AT) hat die Liedermacherin darauf bestanden, die Arbeit für das Nachfolgewerk zu beginnen. „Ich glaube, ich wollte mir selbst das Versprechen geben, jedenfalls weiter Musik zu machen, ganz gleich, welcher Erfolg oder welche Kritiken auf ‚Klee‘ folgen würden.“ 

 

Gleich die erste Idee, an der sie dafür mit ihrem Songwritingpartner und Produzenten Florian Cojocaru gearbeitet hat, wurde zum dramatischen Titelsong und zu so etwas wie einem thematischen roten Faden dieses Albums: „Nach dem Rummel um ‚Wie a Kind‘ wurde mir täglich bewusster, welche Reichweite und Verantwortung ein Leben in der Öffentlichkeit mit sich bringt. Ich habe mich also einerseits immer öfter gefragt, welche die Wahrheiten sind, die ich mit Gewissheit auch vor vielen Tausenden, mir unbekannten Menschen mit meinem Leben verteidigen kann. Und andererseits, was es eigentlich in unserer Zeit bedeutet, „ein guter Mensch zu sein“. Ich wollte dem also so unvoreingenommen wie möglich nachspüren, welche Erfahrungen oder Beobachtungen meinen Charakter geformt und welche Menschen die tiefsten Spuren auf meiner Seele hinterlassen haben.“

 

Eine Auswahl der Antworten findet sich nun auf dem 13 Titel umfassenden „ROT“ wieder. So ist beispielsweise „Leuchten“ nicht nur eine moderne und doch zeitlose Hymne an die Wahlheimat der Oberösterreicherin – Wien – sondern viel mehr eine Liebeserklärung an die Menschen, die ebendiese mit Kreativität und Visionen für eine bessere Zukunft beleben. Die im Vorjahr erschienene Single sollte ein erster Vorbote auf das ursprünglich für September 2020 geplante Album sein und verdeutlichen, dass INA REGEN sich auch stilistisch weiterentwickeln, ja sogar Song für Song neu erfinden wollte. 

 

Und dann kam Corona und hat die Welt auf den Kopf gestellt. 

 

Es folgten Wochen der Verunsicherung und die Erkenntnis, dass ein Festhalten am ursprünglichen Zeitplan viele unkalkulierbare Risikofaktoren mit sich bringen würde. Und dass eine Tour und der damit einhergehende enge Kontakt mit ihren Fans zu kompromissbehaftet wäre. Umso engeren Kontakt hat INA REGEN daher via Social Media mit ihren Fans gepflegt. Währenddessen ist auch die Quelle der Kreativität immer weiter gesprudelt. „Obwohl ROT zu diesem Zeitpunkt eigentlich so gut wie fertig war, hatte ich immer mehr das Gefühl, noch nicht alles gesagt zu haben. Vor allem aber, dass ich eine globale Veränderung wie diese nicht unkommentiert lassen wollte und konnte.“ 

 

So sind Songs wie das nahezu meditative, versöhnliche „Fenster“ oder das sommerliche, zum Tanzen einladende „Wien am Meer“ in Musik gegossene Dokumente dieses Ausnahmejahres. Auch das kleine, nahezu zärtliche „Was ma heut net träumen“, das durch den geschmackvoll eingesetzten Vocoder besticht und im Entstehungsprozess lange den Arbeitstitel „Schlaflied“ trug, ist so ein Dokument. „Ich hatte viele unruhige, finstere Nächte, bin oft mit Sorgen und Zukunftsängsten wach gelegen und habe für mich selbst nach Gedanken gesucht, die mich nicht nur trösten, sondern mich weiter daran glauben lassen, dass wir alle diese Probleme, die uns aktuell und noch sehr lange beschäftigen werden, auch lösen können.“

Dass Ermächtigung, das Ergreifen und Einfordern des eigenen Potenzials, eines der zentralen Themen von ROT ist, zeigt neben dem sehr intimen „Eigentlich“ auch „Fahnen“. Die Inspiration dazu war für die 36-jährige Künstlerin ein Interview anlässlich des Weltfrauentags. Die Headline des Artikels, in dem sie über die Sichtbarkeit von Frauen gesprochen und auf ihr ausschließlich mit Künstlerinnen besetztes Konzert im Wiener Konzerthaus aufmerksam gemacht hatte, hat die Liedermacherin kurzerhand in einem Empowerment-Song über Gleichberechtigung verewigt. Bei besagtem Konzert am 8.3.2020, somit kurz vor dem 1. Lockdown in Österreich, hat übrigens „Lernen wie ma lebt“ nach nicht enden wollenden Standing Ovations seine ungeplante und damit vor allem für die Sängerin selbst unvergessliche Weltpremiere erlebt. Aufmerksame Zuhörer*innen werden Melodiezitate und Gedanken von INA REGENs philosophischem Podcast „Rotweinplausch“ in dieser bemerkenswerten Komposition wiederfinden.  

 

Dieser Song, der ROT beschließt, ist in vielerlei Hinsicht die Quintessenz dessen, was INA REGEN als Künstlerin und Frau ausmacht. Neben ihrer stimmlichen Virtuosität und ihren poetischen Texten besticht ihr Wesen vor allem durch ihre kompromisslose Ehrlichkeit und Nahbarkeit, mit denen sie Menschen in ihren Bann zieht. Dabei scheut sie sich auch nicht, ihre eigenen tiefsten Wunden – wie den überraschenden Freitod ihres Jugendfreundes in „Macarena“, fragile Familienbande im aufreibenden „Gleiches Bluat“ oder das Bewusstsein über ihre eigene Vergänglichkeit in „Wievü“ – in ihre Musik einfließen zu lassen.

 

Dass auf einem Album, das ROT heißt und sich zutiefst menschlichen Wahrheiten widmet, auch Betrachtungen über die Liebe nicht zu kurz kommen dürfen, versteht sich fast von selbst. 

Und doch, für Selbstverständlichkeiten hat INA REGEN ausnehmend wenig übrig. „Das Leben ist nicht einfach, nicht schwarz oder weiß. Selten spüren wir das so eindeutig wie im Entstehen, Bestehen oder Vergehen einer Liebe.“ Die Hörer*innen dürfen sich daher einerseits über die äußerst gelungene und stimmige Dialektversion von „Weil I’s net woaß“ freuen und sich andererseits vom Synth-lastigen „Neon“ überraschen lassen, das mit Stilelementen aus Indie-Genres kokettiert und damit nicht nur inhaltlich Zwischenwelten ausleuchtet. 

 

ROT ist sowohl die Versöhnung mit der Wirklichkeit als auch ein forderndes Zerren an dem, was INA REGEN als Status Quo wahrnimmt. Es ist, so die Liedermacherin, „die in Worte und Musik gefasste Hoffnung und Bereitschaft, dass Menschen sich ihr facettenreiches Mensch-Sein zugestehen und vergeben können. ROT ist für mich nicht nur die Sehnsucht nach Großzügigkeit mit sich und der Welt, Fehler machen zu dürfen, sondern vor allem das Versprechen, ein ganzes Leben lang zu lernen, wie man lebt.“

 

Die 13 Songs auf ROT (17 Songs auf der Premium Edition) zeugen vom Mut und der Stärke einer Frau, die aus der österreichischen Musikszene längst nicht mehr wegzudenken ist. Was Frido Hütter, einer der Doyens der österreichischen Kulturkritik, mit folgendem Kompliment an die Liedermacherin unterstreicht: „Über Jahre hinweg habe ich "Heast as net" für die schönste Produktion Österreichs gehalten. Tue ich auch immer noch. Aber mit "Wie a Kind" und "Macarena" sind zwei Lieder dazugekommen, zu denen ich vor Respekt, Freude und Rührung weinen könnte. Ich glaube, dass seit Franz Schubert keine schöneren Lieder hierorts komponiert und interpretiert worden sind.“ 

 

Ein Lob, dem INA REGEN auch zukünftig mit jedem weiteren Song hofft, gerecht zu werden.